Semantische Wortfelder: so denkst du wie das Modell
Irgendwann hört Kontexto auf, ein Ratespiel zu sein, und wird eher eine Frage der Orientierung. Das passiert genau dann, wenn du aufhörst, in einzelnen Wörtern zu denken, und anfängst, in Themen zu denken. Fachleute nennen solche Themen Wortfelder. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du sie für dein Spiel nutzt.
Was ein Wortfeld ist
Ein Wortfeld ist eine Gruppe von Wörtern, die in denselben Zusammenhängen vorkommen. Meer,
Küste, Welle, Sand, Ebbe und Möwe bilden eins. Arzt, Krankenhaus, Diagnose,
Patient und Heilung ein anderes.
Für uns Menschen ist das eine ganz natürliche Einteilung. Das Modell hinter Kontexto kennt solche Themen gar nicht ausdrücklich. Sie entstehen einfach beim Lernen: Wörter mit ähnlichen Nachbarn landen auf der Bedeutungskarte nah beieinander. Die Wortfelder sind nicht eingebaut, sie sind ein Nebenprodukt.
Genau deshalb funktioniert diese Strategie. Du nutzt keinen Trick, sondern die Ordnung, die das Modell selbst gelernt hat.
Was sich dadurch für dich ändert
Drei Dinge siehst du danach anders:
Ein guter Treffer ist ein Wegweiser, kein Ergebnis. Rang 340 heißt nicht „fast geschafft“, sondern „hier ist ein Thema, das du dir jetzt genauer anschauen solltest“.
Ein schlechter Treffer ist mehr als ein schlechtes Wort. Zeit auf Rang 8.000 spricht deutlich
gegen alles rund um Zeit und abstrakte Begriffe. Als Vermutung ist das oft nützlicher als ein
mittelmäßiger Treffer, schließt aber nicht jedes Wort aus diesem Bereich aus.
Du testest Richtungen, nicht Wörter. Der einzelne Versuch wird unwichtig. Wichtig wird das Muster aus vier oder fünf Versuchen.
Das Vorgehen
Schritt 1: ein Thema finden. Spiel deine allgemeinen Startwörter, bis eins deutlich besser abschneidet. Vier Wörter aus vier Grundrichtungen reichen meistens, siehe Die besten Startwörter.
Schritt 2: Richtungen bestimmen, nicht Synonyme sammeln. An diesem Schritt scheitern die meisten. Von deinem besten Wort führen mehrere Wege weg, und sie führen weit auseinander.
Bei Wasser sind das zum Beispiel:
| Richtung | Testwort |
|---|---|
| Gewässer | Fluss |
| Wetter | Regen |
| Tiere im Wasser | Fisch |
| Was Menschen damit machen | trinken |
| Wie Wasser ist | nass |
Spiel aus jeder Richtung genau ein Wort. Nicht zwei, nicht drei. Nach fünf Versuchen kannst du vergleichen, welche Richtung du weiterverfolgen willst.
Schritt 3: dem besten Ergebnis folgen. Ein Testwort schneidet deutlich besser ab als die anderen. Das ist dein neuer Mittelpunkt. Mach von dort aus Schritt 2 noch einmal, mit engeren Richtungen.
Schritt 4: rechtzeitig aufhören. Werden mehrere gezielte Versuche nicht besser, ist das ein guter Moment, das Thema zu wechseln. Es muss nicht falsch sein. Zurück zu Schritt 1, diesmal weit weg vom bisherigen Thema.
Warum Synonyme so wenig bringen
Das sagen wir ausdrücklich, weil es der teuerste Reflex im ganzen Spiel ist.
Wasser liegt auf 380, also probierst du Flüssigkeit, nass, feucht und Nässe. Alle vier
liegen fast an derselben Stelle wie Wasser, weil sie in denselben Sätzen stehen. Ihre Ränge sind
ähnlich. Du hast vier Versuche ausgegeben und dieselbe Stelle zum vierten Mal gemessen.
Ein Sprung nach vorne kommt meist von einem Richtungswechsel, nicht vom besseren Synonym. Von
Wasser zu Fisch ist ein Richtungswechsel. Von Wasser zu Flüssigkeit nicht.
Wortfelder überschneiden sich, und das hilft dir
Viele Wörter gehören zu mehreren Themen gleichzeitig. Bank liegt zwischen Geld und Sitzen,
Schloss zwischen Burg und Tür, Strom zwischen Elektrizität und Fluss.
Beim Raten kann dich das in die Irre führen, weil so ein Wort nur eine einzige Adresse hat, die irgendwo zwischen den Themen liegt.
Es ist aber auch eine der besten Brücken, die es gibt. Liegt ein Wort überraschend gut, frag dich
nach seiner zweiten Bedeutung. Steht Bank auffällig weit vorne und du hast an Geld gedacht,
probier sitzen, Park oder Holz. So kommst du immer wieder in Themen, an die du von allein nicht
gedacht hättest.
Wie groß ein Wortfeld ist
„Wortfeld“ klingt ungenau. Die Farben im Spiel können dir als grobe Orientierung helfen. Sie sind aber keine gemessenen Grenzen zwischen Themen.
Der grüne Bereich bis Rang 300 liegt oft nah an den direkten Nachbarn des geheimen Worts. Der gelbe Bereich bis 1.500 kann das Thema drumherum enthalten, ohne dass jedes Wort dort zum selben Thema gehört. Ab 1.500 ist ein Wort für deine Suche erst mal ein Hinweis, eine andere Richtung zu prüfen.
Deshalb siehst du in Schritt 2 genau ein Wort pro Richtung vor. Innerhalb eines engen Themas bekommen mehrere Wörter oft ähnliche Ränge. Zwei Testwörter aus derselben Richtung verraten dir also wenig Neues. Ein Testwort aus einer anderen Richtung kann dagegen deutlich abweichen, und genau dieser Unterschied ist die Information, die du suchst.
Andersherum gilt: Liegen zwei deiner Testwörter nur zwanzig Plätze auseinander, kann das auf eine ähnliche Nähe hindeuten, beweist aber nicht, dass sie zum selben Thema gehören. Probier lieber ein Wort aus einer Richtung, an die du noch nicht gedacht hast, statt ein drittes aus derselben Ecke.
Wortfelder von Verben und Adjektiven
Fast alle Beispiele oben sind Hauptwörter, und das täuscht, denn Lösungswörter sind genauso oft Verben oder Adjektive. Deren Wortfelder sind anders gebaut. Wer das übersieht, sucht oft an der falschen Stelle.
Ein Hauptwort bringt sein Thema mit. Möwe steht in Texten über Küste, Vögel und Urlaub, sein
Wortfeld ist entsprechend klein. Bei einem Verb ist das oft anders: Das Wortfeld von laufen reicht
vom Sport über eine Maschine bis zum Vertrag, der noch läuft. Gerade diese verschiedenen
Verwendungen machen Verben als Testwörter spannend, auch wenn nicht jedes Verb automatisch gut ist.
Für deine Suche heißt das zweierlei. Erstens: Ein Verb deckt als Testwort mehr ab und ist deshalb am
Anfang besonders wertvoll. Das zeigt auch unser Test über alle 2.400 Rätsel: Vier der fünf stärksten
Startwörter sind Verben, nachzulesen im Startwort-Test. Zweitens: Sind
deine besten Wörter alle Hauptwörter aus einem Thema und bleiben trotzdem um Rang 300 hängen, ist
die Lösung oft das passende Verb oder Adjektiv. Bei Feuer, Ofen und Glut ist es vielleicht
heiß oder brennen.
Adjektive verhalten sich noch einmal anders: Ihre Nachbarn sind oft ihre Gegenteile. heiß steht in
denselben Sätzen wie kalt, deshalb liegen die beiden eng beieinander. Liegt ein Adjektiv weit
vorne, probier ruhig die andere Seite.
Wenn das geheime Wort abstrakt ist
Abstrakte Wörter wie Freiheit, Ordnung oder Zufall haben Wortfelder mit unscharfen Rändern.
Sie kommen in Texten über Politik, Philosophie, Alltag und Fachthemen vor, und ihre nächsten
Nachbarn sind selbst wieder abstrakt.
Während der Runde erkennst du das an einem typischen Muster: Mehrere ganz verschiedene Testwörter
landen im Mittelfeld, zum Beispiel alle zwischen 900 und 2.000, und keins sticht heraus. Bei einem
greifbaren geheimen Wort gibt es oft eine Richtung, die klar gewinnt. Fehlt dieser Ausschlag,
probier gezielt abstrakte Testwörter: Idee, Regel, Gefühl, Zustand. Bei einem greifbaren
Wort landen die oft weit hinten. Ein guter Rang ist dann ein nützlicher Hinweis, dass du in der
abstrakten Richtung weitersuchen solltest.
Die Falle: gleicher Wortstamm ist kein Wortfeld
Eine Warnung, die dir Versuche spart. Fisch, Fischer, Fischerei und fischen sehen aus wie
ein enges Wortfeld, sind aber vor allem eine Familie mit gleichen Buchstaben.
Weil fastText Wörter auch in Buchstabenstücke zerlegt, rücken Wörter mit gleichem Stamm zusammen,
auch wenn ihre Bedeutungen auseinandergehen. Ein guter Rang für Fischer kann deshalb von der
Schreibweise kommen und nicht vom Inhalt. Wie du das testest, steht in
Komposita und Teilwörter: Probier ein Wort mit derselben
Bedeutung, aber ganz anderer Schreibweise, und schau, ob es mithält.
Ein echtes Wortfeld besteht aus Wörtern, die inhaltlich zusammengehören und unterschiedlich
geschrieben werden: Kieme, Schuppe, Teich, Angel, schwimmen.
Die Karte am Ende
Nach jeder Runde kannst du dir die 500 nächsten Wörter anzeigen lassen. Eine bessere Übung für das Denken in Wortfeldern gibt es nicht, denn du siehst ein echtes Wortfeld in seiner echten Reihenfolge.
Schaust du dir das ein paar Mal an, bekommst du ein Gefühl dafür, wie eng oder weit die Themen im Spiel sind und welche Wörter überraschend weit vorne oder hinten stehen. Genau dieses Gefühl unterscheidet am Ende gute Spieler von schnellen Ratern.
Wie das Vorgehen in einer ganzen Runde aussieht, zeigt Wenn du feststeckst.