Strategie, 15. August 2026, aktualisiert am 15. September 2026, 8 Min. Lesezeit

von Ugur Aydogan

Startwort-Benchmark: 2.400 Rätsel gemessen, zwei alte Empfehlungen verworfen

Auf dieser Seite stand von Anfang an derselbe Rat wie überall sonst im Internet: Fang mit allgemeinen Alltagswörtern an, Zeit, Mensch, Wasser. Der Rat klang einleuchtend, nur geprüft hatte ihn niemand.

Jetzt haben wir ihn geprüft. Für jedes der 2.400 vorbereiteten Rätsel gibt es eine vollständige Rangliste über alle 80.000 Wörter, die das Spiel kennt. Damit konnten wir für jedes Startwort genau nachschauen, welchen Rang es in jedem einzelnen Rätsel bekommen hätte.

Ein Hinweis zu den Zahlen unten: Sie stammen vom 15. August 2026. Damals wurden die Ränge gegen alle 80.000 Wörter gezählt, heute gegen die rund 51.000 Grundformen darunter, ohne kleine Füllwörter und ohne gebeugte Formen. An der Reihenfolge der Startwörter ändert das nichts, die genauen Ränge fallen heute aber etwas kleiner aus. Für die 45 messbaren Kandidaten heißt das: keine Stichprobe, keine Schätzung, sondern 108.000 einzelne Messungen.

Das Ergebnis vorweg: Zwei unserer drei früheren Standard-Empfehlungen schneiden deutlich schlechter ab als gedacht.

Was wir gemessen haben

Wir haben 46 Kandidaten in drei Gruppen getestet: Wörter, die wir für allgemein hielten, mittelbreite Begriffe zum Vergleich und absichtlich enge Fachwörter als Gegenprobe. Verben und Adjektive waren bewusst dabei.

Für jedes Wort und jedes Rätsel haben wir den Rang abgelesen. Daraus haben wir unter anderem den mittleren Rang berechnet und zwei Trefferquoten: wie oft das Wort unter Rang 300 landet (grün) und wie oft unter Rang 1500 (gelb oder besser).

Ein Kandidat fiel schon vor der Messung raus: Quastenflosser kennt das Spiel gar nicht, also konnten wir es nicht messen. Das Wort war in der alten Fassung dieser Seite ein Beispiel für ein zu enges Startwort. Daraus, dass es fehlt, folgt aber nicht, wie bekannt es außerhalb unserer Trainingstexte ist.

Erste Überraschung: Grün schafft kaum ein Wort

Man könnte erwarten, dass ein gutes Startwort regelmäßig einen guten Rang bringt. Das schafft kein einziges getestetes Wort.

Spitzenreiter gehen landet in 5,0 Prozent der Rätsel unter Rang 300, dahinter sprechen mit 4,7 Prozent. Bei den klassisch empfohlenen Hauptwörtern liegt der Anteil zwischen 1 und 2,5 Prozent.

Anders gesagt: Selbst mit dem besten Startwort ist dein erstes Wort in etwa neunzehn von zwanzig Runden nicht grün. Das ist kein Versagen, sondern Statistik. Rang 300 von 80.000 sind die obersten 0,4 Prozent aller Wörter, und dass ein einzelnes Wort zufällig dort landet, ist entsprechend selten.

Wenn du nach dem ersten Wort enttäuscht bist, misst du also mit der falschen Latte.

Die Zahl, auf die es ankommt

Ein Startwort ist nicht erst dann nützlich, wenn es grün wird, sondern wenn es dir überhaupt einen Hinweis gibt. Deshalb schauen wir auf den Anteil der Rätsel unter Rang 1500, also gelb oder besser. Diese Grenze nutzen wir, um alle Kandidaten gleich zu vergleichen.

So sieht die Reihenfolge aus, gemessen über alle 2.400 Rätsel:

Wortmittlerer Rangunter 1500unter 300
gehen26.90613,2 %5,0 %
machen28.88312,8 %3,6 %
arbeit18.03811,9 %2,4 %
sehen28.66311,0 %3,8 %
bauen34.20011,0 %3,6 %
sprechen28.61610,7 %4,7 %
zeit16.34810,3 %2,3 %
weg18.8119,6 %2,3 %
schnell29.7579,6 %3,7 %
leben21.8398,6 %2,1 %
haus23.0327,8 %2,5 %
spiel19.7367,5 %2,1 %
mensch27.0065,6 %1,3 %
wasser38.2162,6 %0,9 %
thermodynamik36.4712,2 %0,5 %

Der mittlere Rang ist hier der Median, also der Wert genau in der Mitte aller 2.400 Messungen. Die ganze Tabelle mit allen 45 messbaren Kandidaten findest du unter Kontexto in Zahlen.

Zweite Überraschung: Verben liegen vorne

Die fünf stärksten Wörter im Test sind vier Verben und ein Hauptwort: gehen, machen, arbeit, sehen und bauen. Sie liegen alle bei ungefähr 11 Prozent oder darüber, während viele der getesteten Hauptwörter zwischen 5 und 8 Prozent liegen.

Eine mögliche Erklärung: Verben verbinden Tätigkeiten, Zustände und Ereignisse aus vielen Bereichen. Ein Hauptwort bringt dagegen oft schon ein engeres Thema mit. Wasser steht zum Beispiel meist in Texten, in denen es wirklich um Wasser geht. Das ist eine plausible Deutung, die wir nicht eigens geprüft haben.

Den Rat „wechsle die Wortart, wenn du feststeckst“ gab es auf dieser Seite schon vorher. Die Messung macht ein Verb jetzt auch als erstes Wort plausibel. Sie beweist aber nicht, dass ein Start mit einem Verb in jeder Runde besser ist.

Dritte Überraschung: Wasser ist ein schlechtes Startwort

Wasser stand bei uns an drei Stellen als Paradebeispiel für ein allgemeines Startwort. Gemessen landet es auf Platz 38 von 45.

Sein mittlerer Rang ist 38.216, sein Anteil unter 1500 beträgt 2,6 Prozent. Beides ist schlechter als bei Thermodynamik, das in der Tabelle ausdrücklich als Beispiel für ein zu enges Wort stand.

Im Nachhinein ist klar, warum. Wasser fühlt sich allgemein an, weil es in vielen Lebensbereichen vorkommt: Chemie, Küche, Erdkunde, Wetter. Für das Modell zählt aber nicht, in wie vielen Bereichen ein Wort auftaucht, sondern wie ähnlich sich die Sätze drumherum sind. Und die sind bei Wasser erstaunlich gleich: Meistens geht es wirklich um Flüssigkeit.

Zeit dagegen steht in Sätzen über Geschichte, Physik, Termine, Musik, Alter und Erinnerung. Diese Sätze haben untereinander wenig gemeinsam, und genau daraus entstehen Verbindungen in viele Richtungen.

Wir haben die Empfehlungen auf der Strategie-Seite, in der Spielanleitung und in Die besten Startwörter entsprechend angepasst.

Was nicht funktioniert hat

Ehrlicherweise gehört auch dazu, welche Kennzahl sich als nutzlos herausgestellt hat.

Vor der Messung dachten wir, die Streuung sei das Wichtigste: Ein gutes Startwort sollte einen Rang haben, der je nach geheimem Wort stark schwankt, während ein Wort mit immer gleichem Rang nichts verrät. Das stimmt in der Theorie, hilft in der Praxis aber nicht: Die Streuung (gemessen als Abstand zwischen dem unteren und dem oberen Viertel der Ränge) liegt bei allen 45 Kandidaten zwischen 30.000 und 46.000. Sie unterscheidet die Wörter also kaum.

Auch der mittlere Rang allein führt in die Irre. Zeit hat mit 16.348 den besten mittleren Rang, liegt bei der Trefferquote aber nur auf Platz sieben. Ein niedriger mittlerer Rang entsteht schon dann, wenn ein Wort selten ganz weit hinten landet, und das hilft dir beim Raten nicht.

Für die Frage nach einem guten Startwort nutzen wir deshalb den Anteil unter Rang 1500. Er zeigt, wie oft ein einzelnes Wort in diesem Test einen brauchbaren Hinweis gibt. Er sagt nicht voraus, wie gut ein ganzer Start mit mehreren Wörtern funktioniert.

Ein Start, der zu den Daten passt

Die Messung legt nahe, die ersten Wörter breit zu streuen. Eine passende Reihenfolge könnte so aussehen:

  1. gehen, das beste gemessene Startwort.
  2. arbeit, das beste Hauptwort und insgesamt auf Platz drei.
  3. sehen oder sprechen, ein zweites Verb aus einem anderen Bereich.
  4. zeit, für die Richtung Zeit und abstrakte Begriffe.

Jedes dieser Wörter bringt in etwa jeder achten bis zehnten Runde einen Rang unter 1500. Diese Reihenfolge ist eine praktische Empfehlung, keine eigens gemessene Strategie für vier Wörter. Wie oft mindestens eins der vier anschlägt, sagt die Messung nicht. Die Ergebnisse hängen nämlich zusammen: Bei einem leicht erreichbaren geheimen Wort liegen oft mehrere Startwörter gleichzeitig nah. Die Prozente einfach zusammenzuzählen wäre deshalb falsch.

Wichtiger als die genaue Auswahl ist aber, wie du das Ergebnis liest: Auch ein rotes Startwort ist ein Ergebnis. Warum die Absagen oft mehr wert sind als die Treffer, steht in Die besten Startwörter, und wie es danach weitergeht, in Wenn du feststeckst.

Warum das Bauchgefühl hier danebenliegt

Mehrere unserer alten Empfehlungen schneiden anders ab als erwartet. Das lohnt eine Erklärung.

Der Grund ist eine Verwechslung zweier Eigenschaften, die sich sehr ähnlich anfühlen: Ein Wort kann zu vielen Themen gehören oder in vielen verschiedenen Sätzen stehen.

Wasser gehört zu vielen Themen. Es kommt in Texten über Natur, Haushalt, Sport, Chemie und Politik vor, deshalb hält man es für ein gutes Startwort. Die Sätze drumherum sind sich aber sehr ähnlich: Es geht meistens wirklich um Flüssigkeit, egal ob der Text von einem See oder einer Wasserrechnung handelt.

gehen steht in vielen verschiedenen Sätzen, und zwar jedes Mal mit anderen Nachbarn: zur Schule gehen, es geht um, die Uhr geht falsch, das Geschäft geht gut. Es liegt deshalb nicht in einer Ecke der Bedeutungskarte, sondern zwischen vielen Themen, und genau das macht seinen Rang aussagekräftig.

Gemessen haben wir trotzdem den Anteil unter Rang 1500. Die Sache mit den verschiedenen Sätzen ist eine Erklärung dafür, warum ein Wort in verschiedenen Rätseln unterschiedlich nützlich ist. Ein Wort, das sich allgemein anfühlt, aber immer in ähnlichen Sätzen steht, kann dir trotzdem wenig verraten.

Was die Messung nicht beantwortet

Damit niemand zu viel in die Zahlen hineinliest, gehört auch dazu, was sie nicht hergeben.

Gemessen haben wir die Trefferquote unter 1.500 für jedes einzelne Wort, nicht für eine Gruppe von vier Wörtern. Vier Wörter mit je 11 Prozent decken zusammen nicht 44 Prozent ab, weil sich ihre Themen überschneiden. Unsere vier Empfehlungen berücksichtigen das grob, indem sie verschiedene Richtungen abdecken. Als Kombination durchgerechnet haben wir sie aber nicht.

Ebenfalls nicht gemessen: wie schnell eine Runde nach einem guten Startwort tatsächlich endet. Ein brauchbarer Hinweis beim ersten Wort ist ein Vorteil, aber was du daraus machst, hängt von deinem weiteren Spiel ab und nicht mehr vom Startwort.

Und schließlich gilt die Messung für die 2.400 vorbereiteten Rätsel mit der aktuellen Auswahl der Lösungswörter. Ändert sich diese Auswahl, etwa weil weitere Wörter gesperrt werden, können sich die Zahlen und die Reihenfolge verschieben. Dann rechnen wir neu.

So haben wir gerechnet

Die Zahlen stammen aus einem Skript in unserem Projekt (scripts/export-startword-benchmark.py). Es liest die vorbereiteten Ranglisten der Rätsel, sucht für jeden Kandidaten seine Nummer im Wortschatz und liest an dieser Stelle den Rang ab, Rätsel für Rätsel.

Stand der Auswertung: 15. August 2026, 2.400 Rätsel, 80.000 Wörter im Wortschatz, 46 getestete Kandidaten, davon 45 messbar. Den einen nicht messbaren Kandidaten nennen wir oben. Die Daten liegen als Datei im Projekt und lassen sich nach jedem Neubau der Spieldaten neu erzeugen.