Was ist Contexto auf Deutsch?
Contexto ist ein Wortspiel, das 2022 aus dem brasilianischen Termo hervorging und sich schnell über den englischsprachigen Raum verbreitete. Das Prinzip: Errate ein geheimes Wort, indem du andere Wörter eingibst und aus einem Ähnlichkeitsrang abliest, wie nah du dran bist.
Kontexto ist die deutsche Umsetzung dieser Idee. Der Unterschied ist nicht die Übersetzung der Oberfläche, sondern das, was darunter liegt: ein eigenes Sprachmodell, ein eigenes Vokabular, eine eigene Lösungsauswahl.
Warum eine Übersetzung nicht gereicht hätte
Das ist der Punkt, an dem die meisten Nachbauten scheitern, und er ist es wert, ausbuchstabiert zu werden.
Der Rang entsteht aus Kontextnachbarschaft: Zwei Wörter liegen nah beieinander, wenn sie in echten Texten in ähnlicher Umgebung stehen. Diese Nachbarschaften sind sprachspezifisch. Sie hängen daran, wie in einer Sprache über Dinge geschrieben wird.
Ein englisches Modell weiß, dass vacation neben travel und beach steht. Ein deutsches Modell
weiß, dass Urlaub neben Ferien, Reise und Erholung steht. Das sind nicht dieselben
Nachbarschaften mit anderen Etiketten, sondern andere Nachbarschaften. Wer ein englisches Modell
nimmt und die Ausgabe übersetzt, bekommt englische Bedeutungsnähe mit deutschen Wörtern darauf.
Kontexto läuft deshalb auf einem fastText-Modell, das ausschließlich auf deutschem Text trainiert wurde, auf Common Crawl und der deutschen Wikipedia. Details dazu stehen in fastText: das Modell hinter den Rängen.
Was am Deutschen besonders ist
Zwei Eigenschaften der Sprache wirken sich direkt auf das Spiel aus.
Zusammensetzung. Deutsch bildet neue Wörter, indem es alte aneinanderhängt. Morgendämmerung,
Jahreszeit, Handschuh sind je ein Wort und je eine eigene Bedeutungseinheit mit eigenem Vektor.
Im Englischen wären das zwei getrennte Wörter, die jeweils für sich häufig sind. Das macht das
deutsche Spiel reicher und zugleich schwerer, weil die Menge möglicher Wörter praktisch unbegrenzt
ist. Warum das auch technisch Folgen hat, steht in
Komposita und Teilwörter.
Großschreibung. Im Deutschen ist die Großschreibung das wichtigste Signal, um einen Eigennamen von einem Gattungsnamen zu unterscheiden. Weil bei der Verarbeitung alles kleingeschrieben wird, geht dieses Signal verloren, und Namen rutschen in die Lösungsauswahl. Das ist tatsächlich passiert und musste mit vier unabhängigen Filtern behoben werden, nachzulesen in Warum keine Namen mehr als Lösungswörter auftauchen.
Beides sind Probleme, die die englische Vorlage schlicht nicht hat.
Was gleich geblieben ist
Das Grundprinzip ist unverändert, weil es gut ist:
- Ein geheimes Wort pro Tag, für alle dasselbe.
- Jede Eingabe bekommt einen Rang. Rang 1 ist die Lösung.
- Unbegrenzt viele Versuche.
- Keine Anmeldung, keine Kosten.
Der Rang statt eines Prozentwerts ist dabei die klügste Entscheidung der Vorlage. Ein Kosinuswert von 0,42 sagt niemandem etwas, weil alle sinnvollen Wortpaare in einem schmalen Band liegen. „Von 80.000 Wörtern sind nur 299 näher dran“ kann dagegen jeder einordnen. Warum das so ist, erklärt Kosinus-Ähnlichkeit.
Was Kontexto zusätzlich hat
Über die Vorlage hinaus gibt es auf derselben Seite:
- Wördle, die deutsche Wordle-Variante mit sechs Versuchen, deren Wortlisten aus demselben Vokabular gebaut sind.
- Duell und Koop: dieselbe Aufgabe gegen oder mit Freunden, über einen geteilten Link, ohne Konto. Wie sich beide Modi taktisch unterscheiden, steht in Duell und Koop.
- Ein gestufter Tipp, dessen Stärke du selbst wählst, siehe Die Tipp-Funktion.
- Die 500 nächstliegenden Wörter nach dem Ende einer Partie, also die Auflösung des ganzen Bedeutungsfelds und nicht nur des einen Worts.
Kostenlos, ohne Konto, ohne Pflichtcookies
Es gibt keine Registrierung, keine E-Mail-Adresse, kein Passwort. Du öffnest die Seite und spielst. Kein Spielmodus liegt hinter einer Bezahlschranke.
Der Spielstand liegt ausschließlich lokal in deinem Browser. Das hat einen Preis: Wechselst du das Gerät oder löschst die Browserdaten, fängst du bei null an. Wir halten den Tausch für richtig, aber es ist einer. Die Begründung steht in Warum Kontexto unbegrenzte Versuche hat.
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Die häufigste Verwechslung
Kontexto, Contexto, Cémantix, Semantle: Die Namen ähneln sich, und die Zuordnung ist selbst für Stammspieler nicht immer klar.
Contexto ist das englischsprachige Original mit Ablegern in mehreren Sprachen. Semantle war früher da und zeigt statt eines Rangs einen rohen Ähnlichkeitswert. Cémantix ist die französische Variante desselben Gedankens. Kontexto ist die deutsche Umsetzung, und das K am Anfang ist kein Tippfehler, sondern die Unterscheidung.
Allen gemeinsam ist das Grundprinzip. Unterschiedlich sind Sprache, Rückmeldung und die Frage, wie streng die Lösungswörter gefiltert werden. Gerade der letzte Punkt entscheidet darüber, ob sich ein Rätsel fair anfühlt, und er ist der Punkt, an dem hier die meiste Arbeit steckt.
Was eine deutsche Umsetzung technisch bedeutet
„Auf Deutsch“ klingt nach einer Frage der Oberfläche, betrifft aber jede Ebene des Spiels. Vier Stellen mussten eigens gebaut werden, und an keiner davon hätte eine Übersetzung geholfen.
Das Modell. Grundlage ist ein deutsches fastText-Modell mit 300 Zahlen je Wort, trainiert auf
Common Crawl und der deutschen Wikipedia. Ein englisches Modell weiß, was neben vacation steht,
nicht was neben Urlaub steht. Die Nachbarschaften sind kulturell und sprachlich verschieden, und
genau diese Nachbarschaften sind das Spiel.
Die Entzerrung. Rohe Wortvektoren tragen einen gemeinsamen Drift, der vor allem Häufigkeit kodiert. Ohne Korrektur lägen Allerweltswörter bei jedem Zielwort weit vorn, und der Rang würde messen, wie gebräuchlich ein Wort ist statt wie passend. Deshalb werden vorab der Mittelwert und die drei stärksten Hauptkomponenten entfernt, siehe All-but-the-Top.
Die Wortliste. Aus rund zwei Millionen Zeichenketten bleiben etwa 80.000 echte deutsche Wörter übrig. Der Filter muss deutsche Eigenheiten kennen: Großschreibung, Umlaute, die Doppelformen mit ß und ss, und die praktisch unbegrenzte Wortzusammensetzung.
Die Lösungsauswahl. Jede Tageslösung durchläuft automatische Filter und von Hand gepflegte Sperrlisten. Kein Eigenname, kein anstößiger Ausdruck, keine ß/ss-Doppelform. Der ganze Weg vom Modell zum fertigen Rätsel steht in Wie das Lösungswort entsteht.
Warum Bedeutungsnähe sprachspezifisch ist
Der Punkt lohnt ein Beispiel, weil er weniger offensichtlich ist, als er klingt.
Schloss bedeutet im Deutschen sowohl das Gebäude als auch die Vorrichtung an der Tür. Im Modell
bekommt das Wort deshalb einen einzigen Vektor, der ein Kompromiss aus beiden Nachbarschaften ist:
teils Burg, König und Park, teils Schlüssel, Tür und abschließen. Im Englischen sind das zwei
verschiedene Wörter, castle und lock, mit zwei sauber getrennten Vektoren.
Dasselbe gilt für Bank, Zug, Ball, Kiefer, Steuer. Ein aus dem Englischen übersetztes
Modell hätte diese Mehrdeutigkeiten gar nicht, und das Spiel würde sich an genau den Stellen anders
anfühlen, an denen es im Deutschen interessant wird. Wer im Spiel merkt, dass ein mehrdeutiges
Wort ungewöhnlich gut liegt, hat deshalb einen brauchbaren Hinweis: Es lohnt sich, die andere
Bedeutung gezielt anzusteuern.
Umgekehrt fehlen dem Deutschen Unterscheidungen, die das Englische trifft. Wo Englisch zwischen
do und make trennt, steht im Deutschen machen, und dessen Vektor deckt beide Bereiche ab.
Für wen das Spiel ist
Kontexto belohnt assoziatives Denken und ein Gefühl dafür, welche Wörter zusammengehören. Fachwissen über Linguistik oder KI braucht man nicht.
Was man mitbringen sollte, ist eine gewisse Toleranz für Umwege. Es gibt Partien, in denen man vierzig Züge lang im falschen Feld sucht und es erst bei der Auflösung merkt. Wer das als verschwendete Zeit empfindet, ist mit Wördle und seinen sechs Versuchen glücklicher. Wer es als Teil des Spiels sieht, bekommt dafür etwas, das ein Buchstabenrätsel nicht bieten kann: gelegentlich lernt man beim Verlieren mehr über die eigene Sprache als beim Gewinnen.
Wie sich Kontexto neben Contexto, Wordle und Semantle einordnet, zeigt der Spielvergleich mit Tabelle. Und wenn du direkt loslegen willst, steht das Grundsätzliche kompakt in der Spielanleitung.